Perfekt passende Socken stricken

Welche Grösse soll ich denn stricken?
Welchen Maschenanschlag soll ich nehmen?
Bündchen
Welche Ferse ist die richtige für mich?
Habe ich einen hohen Spann?
Habe ich eine breite Ferse?
Welche Spitze ist die richtige für mich?

Hast Du mal ein Paar Socken angehabt, das einfach nicht perfekt gepasst hat? Die Socken waren zu eng, oder sie waren zu weit und schlabberten am Fuss. Kein Spass, oder? Ich war mal auf einer Wanderung und bereits nach wenigen Minuten hatten die Wanderschuhe mir die Socken ausgezogen… ich war selten so froh, als ich endlich wieder im Hotel war!
Vielleicht strickst Du auch Socken für jemanden, der oder die Diabetiker:in ist – Dein Vater, Deine Mutter, Dein Kind oder Du selbst (so wie ich). Dann weisst Du sicher, dass Diabetiker:innen ganz besonders auf ihre Füsse achten und sie gut pflegen müssen – nicht gut passende Socken gehen gar nicht!
Zum Glück können wir unsere gestrickten Socken perfekt anpassen – man muss nur wissen, wie! 🙂

Welche Grösse soll ich denn stricken?

In meinen Sockenanleitungen gebe ich, so wie es auch in englischsprachigen Anleitungen üblich ist, den Bein- und Fussumfang der Socken an – den Grund dafür findest Du etwas weiter unten.
Das sieht zum Beispiel so aus:

Grösseabcdef
Bein- und Fussumfang in cm1517.52022.52527.5

Beachten musst Du noch, dass der Umfang Deiner Socke ungefähr 10 % kleiner sein sollte, als Dein Bein- und Fussumfang, damit sie sich etwas dehnen muss, um zu passen. Sonst rutscht sie runter. Für sehr schlecht dehnbare Muster (zum Beispiel Jacquardmuster) sollte der Unterschied nur 5 % sein.
Miss also Dein Bein an der Stelle, wo die Socke später enden soll – zum Beispiel in der Mitte der Wade oder für ein Sommersöckchen am Knöchel. Wenn Dein Beinumfang an der Stelle zum Beispiel 22 cm ist, ziehst Du davon 10 % (2.2 cm) ab und landest bei 19.8. Du würdest also in diesem Fall eine Socke in Grösse c stricken.
Wenn Bein- und Fussumfang bei Dir stark unterschiedlich sind, schlägst Du die Maschen für den benötigten Beinumfang an (bei einer Socke, die vom Bündchen zur Spitze gestrickt wird) und nimmst nach der Ferse Maschen zu oder ab, bis Du die richtige Grösse für den Fussumfang hast.

Warum mache ich das so? Wenn Du im Internet oder einem Strickbuch eine Sockentabelle siehst, sind da normalerweise Schuhgrössen angegeben und darunter steht, wie viele Maschen Du für Deine Grösse anschlagen sollst. Das ist aber nur bedingt nützlich. Eine Schuhgrösse gibt hauptsächlich an, wie lang Dein Fuss ist. Bei den allermeisten Socken kannst Du den Fuss aber so lang oder so kurz stricken wie Du magst. Wichtig ist beim Sockenstricken der Umfang am Bein und am Fuss. Ich hab vor einigen Jahren 20 kg mehr gewogen als heute – meine Füsse waren damals genau so kurz wie jetzt, aber meine Beine waren definitiv dicker!
Ausserdem gelten die Grössentabellen für eine einzige Maschenprobe – vielleicht strickst Du mit einer anderen Maschenprobe, und ja, das macht wirklich einen Unterschied!
Meine Time’s Racing on ahead Socken (erhältlich bei Ravelry, Payhip und Lovecrafts) sind mit 27 M auf 10 cm gestrickt, die Ribbed Leaf Socken (ebenfalls erhältlich bei Ravelry, Payhip und Lovecrafts) mit 38 M auf 10 cm.

Time’s racing on ahead Socks links, Ribbed Leaf Socks rechts

Wenn Du für beide Socken 64 Maschen anschlägst, haben die Time’s Racing on ahead Socken einen Umfang von 23.5 cm, die Ribbed Leaf nur 17 cm. Okay, das Beispiel war extrem. Aber auch mit 30 bzw. 32 Maschen auf 10 cm haben die entstehenden Socken 19.5 bzw. 21.5 cm Umfang.

Welchen Maschenanschlag soll ich nehmen?

Du brauchst für Socken einen sehr elastischen Maschenanschlag. Wie oben erwähnt, werden Socken kleiner gestrickt als der eigentliche Beinumfang, deshalb müssen sie gut dehnbar sein. Mein Lieblingsanschlag ist der Norwegische Maschenanschlag.

Bündchen

Beim Bündchen hast Du die freie Auswahl – es muss nur gut dehnbar sein. Deshalb werden meist natürlich Rippenbündchen gestrickt – 1 re / 1 li, 2 re / 2 li, 1 re verschr / 1 li, was immer Dir am besten gefällt. Hübsch sind zum Beispiel auch Minizöpfchen:
Rnd 1: 1 re, 2 li, 2 re, 2 li, 1 re.
Rnd 2: 1 re, 2 li, 2 Maschen verkreuzen, 2 li, 1 re.

Springfield Socks mit Rüschenrand und Minizöpfchen im Bündchen – erhältlich bei Ravelry, Payhip und Lovecrafts

Für einen Rüschenrand schlägst Du doppelt oder dreimal soviele Maschen an, wie Du eigentlich benötigst, strickst einige Runden zum Beispiel Glatt Rechts oder im Perlmuster und strickst dann in der nächsten Runde jeweils zwei oder drei Maschen zusammen, so dass Du die richtige Maschenzahl für das Bein hast.

Das Bündchen kannst Du über so viele Runden stricken, wie Du magst. Mein Lieblingsrezept ist ein Viertel so viele Runden, wie ich Maschen habe (also z. B. für eine Socke mit 64 Maschen 16 Runden Bündchen). Eine Freundin von mir strickt für Kindersocken so viele Runden, wie das Kind alt ist, was ich ganz herzallerliebst finde <3

Welche Ferse ist die richtige für mich?

Die Auswahl an Fersen ist riesig – zum Glück, denn eine gut passende Ferse ist super wichtig für eine gut passende Socke. Grob kann man sie einteilen in Fersen mit Fersenwand und Käppchen (wie zum Beispiel die Herzchenferse oder die Käppchenferse, die Du vielleicht in der Schule oder von Deiner Mutter oder Oma gelernt hast), Fersen mit Schrägnaht (zum Beispiel die Bumerangferse) und nachträgliche Fersen. Aber welche ist denn nun die richtige für Dich? Dazu müssen wir zwei Fragen beantworten.
1. Hast Du einen niedrigen, mittleren oder hohen Spann?
2. Hast Du eine schmale, mittlere oder breite Ferse?
Wenn Du die Antwort auf diese Fragen kennst, ist hier eine Tabelle, in der Du die perfekte Ferse nachgucken kannst. Wenn nicht, finden wir es weiter unten heraus. Die blau geschriebenen Fersen kannst Du anklicken und kommst direkt zu einem Tutorial!

niedriger Spannmittlerer Spannhoher Spann
schmale FerseBumerangferseRunde Bumerangferse
mittlere FerseBullaugenferse
nachträgliche Ferse
Runde Ferse
breite FerseKäppchenferse
Hybridferse
HufeisenferseHerzchenferse
Glatte Ferse

Habe ich einen hohen Spann?

Es gibt zwei Möglichkeiten, das zu testen.
Wie sieht Dein Fuss aus, wenn er gerade am Boden steht, während Du sitzst oder stehst? Steht er ganz flach auf dem Boden? Sieht man einen kleinen Bogen? Sieht man einen grossen Bogen? Ist der Fuss flach, wenn Du sitzst, aber im Stehen sieht man einen kleinen Bogen?

  1. Sowohl im Sitzen als auch im Stehen ist Dein Fuss ganz flach am Boden: Du hast einen niedrigen Spann
  2. Wenn Du stehst, ist Dein Fuss flach am Boden. Im Sitzen sieht man einen kleinen Bogen: Du hast einen mittleren Spann
  3. Sowohl im Sitzen als auch im Stehen sieht man einen kleinen Bogen: Du hast einen mittleren Spann
  4. Sowohl im Sitzen als auch im Stehen sieht man einen grossen Bogen: Du hast einen hohen Spann
Mein Fuss, wenn ich sitze – ein kleiner Bogen ist zu sehen
Mein Fuss, wenn ich stehe – auch hier ist ein kleiner Bogen zu sehen – ich habe einen mittleren Spann

Eine zweite Möglichkeit herauszufinden, ob Du einen niedrigen, mittleren oder hohen Spann ist, ist der Nass-Test. Stell Deinen Fuss in eine Schüssel mit Wasser, gross genug, dass Dein Fuss gut Platz hat und genug Wasser, dass die Unterseite Deines Fusses gut bedeckt ist und stell Dich dann auf eine feste Unterlage, z. B. einen Karton. Den Fuss nicht bewegen, nur einige Sekunden fest aufdrücken. Wie sieht der entstehende Fussabdruck aus?

Die Fussabdrücke sind Photoshop Pinsel von Brusheezy.com Brushes by Brusheezy

Wenn Du einen kompletten Fussabdruck siehst, hast Du einen niedrigen Spann. Ist eine Einkerbung zu sehen, hast Du einen mittleren Spann. Wenn man ausser Ballen und Ferse nur einen ganz kleinen Teil vom Fuss sieht, hast Du einen hohen Spann.

Habe ich eine breite Ferse?

Ich habe versucht, hier richtige Daten zu finden und kann Dir sagen, dass es fast unmöglich ist, Zahlen zu finden… Vielleicht brauchst Du beim Schuhkauf breite Schuhe, aber bestimmt gibt es auch irgendjemanden da draussen, der mir gleich erzählt, dass sie oder er breite Schuhe braucht, aber trotzdem eine schmale Ferse hat.

Gefunden habe ich einen Artikel im Nature Magazin (hättest Du mir gesagt, dass ich für einen Strickblog mal Nature zitiere… :D), der unter anderem die Fersenbreite in Abhängigkeit der Fusslänge für Männer und Frauen in Asien, Europa und Nordamerika angibt.

Quelle: Jurca, A., Žabkar, J. & Džeroski, S. Analysis of 1.2 million foot scans from North America, Europe and Asia. Sci Rep 9, 19155 (2019). https://doi.org/10.1038/s41598-019-55432-z, zu finden hier: https://rdcu.be/cWvSy

Interessant sind für uns die beiden Graphen ganz rechts. Für den Artikel wurden 1.2 Millionen Fussscans ausgewertet. Auf der x-Achse siehst Du die Fusslänge in mm, auf der y-Achse die mittlere Fersenbreite. Die rote Linie gilt für Europa, die blaue für Nordamerika und die grüne für Asien. Das obere Bild gilt für Männer, das untere für Frauen. Wenn Deine Fersenbreite stark von den Massen in dem Bild abweicht, hast Du vielleicht eine schmale oder breite Ferse.

In den beiden mittleren Bildern ist auch eine Spannhöhe angegeben, so kannst Du Deine Ergebnisse von oben damit vergleichen 🙂 Gemessen wurde sie so wie in Teil D von dem Bild unten – bei 55 % der Fusslänge (von der Ferse her gemessen) gerade nach oben.

Quelle: Jurca, A., Žabkar, J. & Džeroski, S. Analysis of 1.2 million foot scans from North America, Europe and Asia. Sci Rep 9, 19155 (2019). https://doi.org/10.1038/s41598-019-55432-z, zu finden hier: https://rdcu.be/cWvSy

Welche Spitze ist die richtige für mich?

… und wann fange ich mit der Spitze an?
Es gibt Faustregeln – die gebräuchlichsten sind, mit der Spitze anzufangen, wenn die Socke den kleinen Zeh bedeckt oder wenn noch 5 cm fehlen. Aber jetzt haben wir uns so viel Mühe gegeben, unsere Füsse gemessen, fotografiert, nass gemacht – da geben wir uns jetzt nicht mit Faustregeln zufrieden, oder?
In meinen Anleitungen gebe ich an, wie viele cm die Spitze misst, wenn Du so viele Runden auf 10 cm hast wie angegeben, und wie viele Runden die Spitze misst, falls Deine Maschenprobe ein bisschen abweicht.
Wenn es in Deiner Anleitung nicht so genau angegeben ist oder Du ohne Anleitung strickst, kannst Du ganz einfach ausrechnen, wie lang Deine Spitze wird.

Wenn Deine Spitze zum Beispiel 15 Runden hat und Du mit 40 Rnd auf 10 cm strickst, wird Deine Spitze (15/40)*10 = 3.75 cm lang.

Für alle Spitzen findest Du hier ein Tutorial!

Und welche Spitze passt Dir nun am besten? Leider kann ich hier nicht mit hochwissenschaftlichen Nature Artikeln und Formeln dienen – schau Deine Zehen an! Sehen sie quadratisch aus? Abgerundet? Spitz zulaufend? Ist Dein grosser Zeh mit Abstand der längste und Du kannst dann eine gerade, steile Linie ziehen, wie die Zehen immer kürzer werden?
Am besten passt Dir die Sockenspitze, die Deinen Zehen am ähnlichsten sieht! (Die blau geschriebenen Spitzen kannst Du wieder anklicken für ein Tutorial!)
Wenn Dein grosser Zeh besonders viel Platz braucht, eignet sich z. B. die anatomische Bandspitze gut.
Quadratisch: z. B. Bandspitze mit den Abnahmen in jeder zweiten Runde
Abgerundet: z. B. Blumenspitze oder Französische Spitze
Spitz zulaufend: Hier ist die Auswahl gross, z. B. Sternchenspitze, Schneckenspitze, Propellerspitze, oder die Bandspitze wie Du sie vielleicht in der Schule gelernt hast – am Anfang mehr Runden zwischen den Abnahmen und dann immer weniger
Wenn Deine Zehen vorne spitz zusammenlaufen, schliesst Du die Sockenspitze am besten durch Zusammenziehen (wenn noch ca. 8 Maschen übrig sind, schneidest Du den Faden lang ab, fädelst ihn auf eine Sticknadel, ziehst den Faden zweimal durch die verbliebenen Maschen und ziehst sie dabei zusammen.
Sind Deine Zehen vorne eher breit, bietet sich stattdessen der Maschenstich (Kitchener stitch) an – darüber habe ich hier einen Blogpost geschrieben, damit Du nie wieder nachgucken musst, wie der genau funktioniert 🙂

Und jetzt wünsche ich Dir viel Spass beim Stricken und immer perfekt sitzende Socken!

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